3 Gründe zu reisen, solange wir jung sind

3 Gründe zu reisen, solange wir jung sind

Portrait of happy grandma, mother and daughter @PressmasterGestern im Café, während ich auf meine heiße Schokolade gewartet habe, folgendes Gespräch am Nachbartisch:

„Und was willst du nach dem Abitur nächstes Jahr machen? Studieren? Eine Ausbildung?“, fragte Oma.

„Neuseeland!“, antwortete die Enkelin wie aus der Pistole geschossen. „Neun Monate work and travel. Reisen und dabei Geld verdienen.“

Einen Moment herrschte Stille, und ich dachte schon, Oma sei vom Hocker gefallen vor Schreck. Aber dann sagte sie mit verträumter Stimme: „Ach ja, einmal noch jung sein und Möglichkeiten haben. So ist’s richtig, mach das nur.“

Ich musste grinsen, zum einen, weil meine Schokolade gerade gebracht wurde, zum anderen, weil Oma sich weiterhin völlig begeistert von der Idee zeigte. In einem fort sprach sie davon, welche Gründe es gibt, die Jugend zu nutzen, um die Welt zu entdecken. Und da ich Oma in wirklich jeder Hinsicht uneingeschränkt zustimme, habe ich dir diese Gründe zusammengefasst.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Reisen hilft dir, dich zu entwickeln
  2. Reisen hilft dir, dein Leben als ein Abenteuer zu sehen
  3. Reisen hilft dir, die Welt zu begreifen

 

Reisen hilft dir, dich zu entwickeln

Happy tourists sightseeing city with map @gpointstudioSolange du jung bist, wirst du noch nicht von einem Berg an Verpflichtungen erdrückt, der mit zunehmendem Alter zwangsläufig auf jedem wächst. Du hast (wahrscheinlich) weder Kind noch Hund oder Haus, um die du dich kümmern und die du versorgen musst. Du zählst, nur du allein, und das ist gut so! Die Zeit, in der sich das Leben nicht mehr bloß um dich dreht, kommt früh genug. Also nutze die Wochen, Monate oder Jahre, bis es soweit ist, und reise.

Reise viel, weit und so lange du kannst. Klammere dich nicht an Dinge, die dich festhalten, sondern sammle Erfahrungen. Gerade in jungen Jahren solltest du dir selbst die Chance geben zu wachsen und Sachen auszuprobieren, denn noch bist du formbar. Dich anzupassen fällt dir leichter, du bist viel spontaner, als du es in ein paar Jahren sein wirst. Auf Reisen wirst du oft auf dich allein gestellt sein, wirst vor Entscheidungen gestellt, die dir keiner abnehmen kann, und das sorgt unweigerlich dafür, dass dein Selbstbewusstsein gestärkt wird. Mit jeder Entscheidung wirst du innerlich gefestigt.

Obendrein wirst du Menschen treffen, die dich nicht verstehen, weil du ihre Sprache nicht sprichst. Welchen besseren Grund gibt es, um in vier Wochen brasilianisches Portugiesisch zu lernen? Keinen.

Und wer weiß, vielleicht merkst du ja ganz schnell, dass die Großstadt, in der du dich bisher immer sehr wohl gefühlt hast, eigentlich gar nicht das ist, was du wirklich willst? Wie anders sollst du das herausfinden als durch das Sammeln von Erfahrungen?

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Und dann plötzlich das „Ja, aber“

Two boys in the form of an aircraft pilot and traveler playing @Vasilyev AlexandrVielleicht denkst du schon länger darüber nach und hast dich nun endlich dazu durchgerungen, die Welt zu entdecken. Und auf einmal steht es hinter dir und schaut dir bei der Planung über die Schulter, das „Ja, aber“.

Ich will gar nicht viel darüber schreiben, weil es größer wird, je mehr man sich damit beschäftigt. Stattdessen fasse ich mich kurz und sage: Bekämpfe es, das „Ja, aber“. Es bringt einen ganzen Sack voller Einwände mit, die alle ihre Daseinsberechtigung haben. Der Job, die Familie, das Geld – alles wichtig, stimmt.

Allerdings kann man jedem „Ja, aber“ ein ebenso mächtiges gegenüberstellen. Einen Job findest du heutzutage in unseren Breiten immer und überall, solange du nicht gleich den Chefsessel beanspruchst. Deine Familie wird nicht aufhören, dich zu lieben, nur weil du eine Weile im Ausland verbringen möchtest. Viel Geld zu haben ist bestimmt von Vorteil, während du auf Reisen bist, jedoch nicht zwingend notwendig. In den meisten Ländern kannst du eine vierköpfige Familie für ein Drittel dessen ernähren, was du in den westlichen Industrieländern bezahlst. Und mal ehrlich: Brauchst du wirklich ein Luxus-Hotel mit Whirlpool, wenn du stattdessen eine Nacht im Freien unter dem leuchtenden Sternenhimmel haben kannst?

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Reisen hilft dir, dein Leben als ein Abenteuer zu sehen

Traveler woman sits on retro suitcase and looks away on road. @Poprotskiy Alexey„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben“, schrieb schon Kurt Tucholsky. Recht hat er, vor allem beim Reisen leben wir.

Willst du, dass dein Leben aus verpassten Chancen besteht? Nein? Gut, denn am Ende wirst du bloß die Chancen bereuen, die du verpasst hast, nicht die, die du genutzt hast. Jede Entscheidung, die du in deinem Leben fällen musst, bietet dir Chancen, und seien es anfangs auch nur klitzekleine. Vielleicht fühlst du dich zu ängstlich, die „Ja, aber“ haben dich verschreckt und in dein Schneckenhaus zurückgetrieben. Das kann passieren, keine Sorge. Du musst nur daraus lernen, und du musst lernen mutig zu sein. Mut wird immer belohnt, glaube mir. Am Ende deiner Reise wird sicherlich jemand zu dir sagen: „Wow, mutig, dass du dich getraut hast!“, und du wirst antworten: „Stimmt, und es war jede Angstschweißperle und jeden beschleunigten Herzschlag wert!“

„Life begins at the end of your comfort zone“ (Neale Donald Walsch)

Natürlich wird es dich mehr kosten als ein paar Schweißperlen, um aus deiner Komfortzone auszubrechen. Ich weiß, es ist einfacher zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen und dir die Welt auf einem Plasma-Bildschirm anzuschauen. Aber bedeutet einfacher auch besser? Spannender? Realer?

Ich glaube, die Frage kannst du dir selbst beantworten.

Lote deine Grenzen aus, kratze daran, und überschreite sie. Je früher, desto besser. Was du in jungen Jahren anfängst, das zieht sich durch dein ganzes Leben, und eins ist dabei sicher: Du wirst davon profitieren. Dein Sein wird bereichert, dein Wissen vergrößert, dein Ich wird wachsen, und all das kannst du weitergeben.

Das Leben ist schön! Das Leben ist ein Abenteuer! Trau dich, es zu genießen.

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Reisen hilft dir, die Welt zu begreifen

Machu Picchu - the lost city of the Incas, Peru @restDieser Punkt ist der wichtigste für mich, und vielleicht fällt es mir deshalb so schwer, ihn dir näher zu bringen. Aber ich versuche es trotzdem.

Du kennst die Mona Lisa? Die Chinesische Mauer? Machu Picchu? Klar, jeder, der sich ein wenig für die Geschichte und Kultur anderer Länder interessiert, weiß mit diesen Begriffen etwas anzufangen. Aber hast du sie gesehen, die Mona Lisa? Bist du auf der Chinesischen Mauer spazieren gegangen? Hast du den Dschungel rund um Machu Picchu sirren und brummen gehört?

Etwas sehen und etwas erleben, das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Du weißt vielleicht, dass ein Gewitter im Flachland anders klingt als im Gebirge. Nur wie anders? Du kannst es erst erklären und verstehen, wenn du es erlebt hast. Du kannst erst jemandem sagen, wie geröstete Heuschrecken schmecken, wenn du sie gegessen hast.

Verlockend, nicht? Allerdings darf man die andere Seite des Erlebens dabei nicht beschönigen oder gar verleugnen. Dazu gehört nämlich auch, das Leben fremder Völker zu begreifen, und nicht nur im positiven Sinne. Du wirst vielleicht Probleme und Missstände mitbekommen, wirst zweifeln und sogar verzweifeln über die Ungerechtigkeit und das Leid.

Social Issues Water Pouring in African Childs Hands @Riccardo MayerWährend viele Menschen in den reichen europäischen Ländern täglich duschen – manche mehrmals –, freut sich ein Kind in Afrika über einen halben Liter Trinkwasser am Tag. Während wir Lebensmittel in Massen wegwerfen oder verbrennen, sterben die Leute anderswo an Hunger. Während uns niemand sagt, welche Religion wir ausüben sollen – oder ob überhaupt eine –, steht in anderen Ländern die Todesstrafe auf Verweigerung eines Glaubens. Arbeitstage von 12 Stunden oder mehr auf Kaffeeplantagen für einen Hungerlohn sind die Regel. Japanische Familien sind in „Wohnungen“ untergebracht, die bei uns nicht einmal das Wort „Kammer“ verdient hätten. Unterdrückung, Überwachung, Schmerz – auch das ist Teil unserer Welt. Nur wird das durch die Medien nicht in dein Schneckenhaus hineingetragen, wenn du dich darin verkriechst. Du hörst vielleicht ein, zwei Tage davon, liest darüber, und dann kehrst du in deinen Luxus zurück.

„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nicht angeschaut haben“ (Alexander von Humboldt)

Zebras herd on savanna at sunset, Africa. Safari in Serengeti, Tanzania @PHOTOCREO Michal BednarekNicht nur Menschen leben und leiden an anderen Orten anders, ebenso Tiere und Pflanzen. Du wirst erst begreifen, wie groß drei Hektar abgeholzter Regenwald sind, wenn du sie abgeschritten hast. Du wirst erst wirklich Empathie und Mitleid für geschädigte Lebewesen und Landschaften empfinden, wenn du sie mit eigenen Augen gesehen hast. Und erst dann wirst du mit Herzblut dafür einstehen können, dass solche Dinge zukünftig verhindert werden. Du wirst andere Leute sensibilisieren können und sie dazu ermutigen, sich selbst ein Bild zu machen.

Man vergisst allzu gerne, dass dieser Planet die einzige Heimat ist, die wir besitzen, und dass seine Ressourcen nicht unerschöpflich sind. Reisen hilft, unsere Welt als großes Ganzes zu erkennen, in dem alles und jeder zusammenhängt.

Das war eine ganze Menge Input, nicht wahr? Dabei wollte ich einfach sagen, dass du reisen sollst. Reise, erlebe dich und die Welt, und profitiert beide davon. Wenn du jung bist, sind dein Verpflichtungen noch klein, deine Grenzen weit gesteckt. Nutze diese Zeit und mach dich frei, um zu einem glücklichen, ausgeglichen und hilfsbereiten Selbst zu werden.

Ein letztes Zitat will ich dir allerdings noch mit auf den Weg geben, weil er einfach ein schlaues Kerlchen war, dieser Oscar Wilde, und weil es nichts Schöneres gibt, als Erinnerungen.

„Ich reise niemals ohne Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.“

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Bildquellen:

©shutterstock.com / @Pressmaster / @gpointstudio / @Vasilyev Alexandr / @Poprotskiy Alexey / @rest / @Riccardo Mayer / @PHOTOCREO Michal Bednarek

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